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Ein Thema findet sein Publikum:
Veranstaltung «Hat die Familie eine Zukunft?»
Veranstaltung «Hat die Familie eine Zukunft?»
Eindrückliche Zahlen, kontroverse Thesen, lebhafte Positionen – und einen vollen Bankratssaal – bescherte die Publikumsveranstaltung vom 20. Mai 2010 dem Baselbieter Bündnis für Familien. Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Wirtschaft, Verwaltung und Politik legten am Hauptsitz der Basellandschaftlichen Kantonalbank in Liestal ihre Perspektiven für Familie und Gesellschaft dar und diskutierten vor und mit rund hundert Gästen.
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Das erste Wort hatte die Politik: «Familienministerin» Sabine Pegoraro strich in ihrem Grusswort heraus, dass das Thema des Abends alle betreffe, da jede und jeder Teil einer Familie sei. Für wirksame und nachhaltige Massnahmen zur Familienförderung bezeichnete sie einen offenen Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik als unabdingbar. Die Veranstaltung des Baselbieter Bündnisses für Familien diene genau diesem Zweck.
Ein nahezu hundertköpfiges Publikum kam daraufhin in den Genuss einiger spannender und teils provokanter Thesen, die der Soziologe Prof. Dr. François Höpflinger sehr launig vortrug. Dazu steuerte sein Vorredner das statistische Zahlenmaterial bei: Laut Johann Christoffel, Vorsteher des Statistischen Amtes des Kantons Basel-Landschaft, zeigt die Demographie deutlich, wie bei uns gleichzeitig die Lebenserwartung steigt und die Geburtenzahl zurückgeht. Dadurch wandelte sich die Alterspyramide zu einer «Altersbirne» und wird sich in ein bis zwei Jahrzehnten als «Alterzwiebel» präsentieren.
Vor diesem Hintergrund stellte Familienforscher Höpflinger brisante Schlussfolgerungen und unkonventionelle Forderungen zur Diskussion, die mithelfen könnten, die Zukunft der Familie(n) zu sichern. So plädierte er für ein Familienstimmrecht, um die demographische Minderheit der Familien auszugleichen. Weiter müsste das Modell einer «Bogenkarriere» in Betracht gezogen werden, das junge Familien dank höherem Einkommen entlasten, dafür Haushalten in späteren Familienphasen ein geringeres Einkommen zur Verfügung stellen würde, statt wie heute üblich den Wohlstand mit fortschreitendem Alter der Familie kontinuierlich zu steigern. Denkbar wäre auch, Erziehungs- und Betreuungsgutschriften für Unterstützungsarbeiten ausserhalb des eigenen Haushalts auszurichten. Denn unbestritten leisten Familien eine Arbeit, die volkswirtschaftlich kaum bezifferbar und unbezahlbar, aber gesellschaftlich unschätzbar ist. Nicht zuletzt empfiehlt François Höpflinger, das grosse Potenzial der noch sehr aktiven pensionierten Menschen zu nutzen, indem beispielsweise Generationenprojekte ins Leben gerufen und umgesetzt werden.
Ein gut besetztes Podium – von Robert Bösiger, Redaktionsleiter der Volksstimme, kompetent moderiert – diskutierte Fakten, Trends und Thesen, brachte aber auch eigene Erfahrungen und persönliche Sichtweisen ein. Katrin Bartels, Leiterin der Fachstelle für Familienfragen Baselland, betonte, dass der Kanton als bedeutender Arbeitgeber bereits sehr familienfreundlich sei, dass aber eine bessere Koordination der Massnahmen und Angebote not tue. Die junge Präsidentin der CVP BL, Sabrina Mohn, wünscht sich für die Zukunft, dass beide Elternteile die Erziehungs- und Betreuungsarbeit partnerschaftlich leisten und dennoch je ihre berufliche Karriere fortsetzen können. Philipp Kuttler, Delegierter des Verwaltungsrates der Ziegler Papier AG, bietet den Mitarbeitenden familienfreundliche Arbeitsmodelle an. Für Beat Oberlin, Präsident der Geschäftsleitung der BLKB, ist Führungsverantwortung in einem Teilzeitpensum kaum möglich, eine fachliche Karriere hingegen auch so machbar. Martin Stingelin, Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Landeskirche Baselland, verweist auf die Grosseltern, die in der Regel gerne ihren Beitrag leisten, indem auch sie die Enkelkinder betreuen. Doch soll kein Druck auf sie ausgeübt werden.
Zum Schluss hatten die Podiumsteilnehmenden einen Wunsch frei, wie die Familien zu entlasten seien: sie in Krisensituationen unterstützen, sich mehr Zeit füreinander nehmen, die nicht monetäre Leistungen der Familien besser wertschätzen, das Eltern- und Vatersein – auch durch flexible Arbeitszeitmodelle – höher gewichten, Tagesschulen schaffen, einen Vaterschaftsurlaub einführen. Äusserungen aus dem Publikum bewiesen, wie unterschiedlich die entscheidenden Fragen des Abends beantwortet werden können. Fazit: Die «Familie», wie auch immer definiert, hat sich stark gewandelt. Sie hat eine Zukunft aufgrund des psychischen Mehrwerts, den sie mit sich bringt. Daher darf sie nicht rein ökonomisch betrachtet werden. Entscheidend wird aber sein, die unterschiedlichen Lebens- und Familienmodelle mit der Arbeitswelt vereinbaren zu können.
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